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DISSOZIIERTE VERINNERUNG Installation 2011 Erinnerung Geschichtetes verzweifelt gefüllte Leerstellen Zu gerne würde man hinter Lorbeeren bewahren und schützend verbergen, was so wund macht, trägt man erst die Schichten ab. Doch die Ohren öffnen sich auch dem Nichtgesagten, dem Schweigen in der Rede, denn Ohren haben keine Lider. Was totgeschwiegen und verzweifelt ausgeblendet wird, manifestiert sich dennoch im Alltäglichen, hinterlässt seine Spuren und schreibt sich ein mit glühenden Griffeln in Körper und Bewusstsein. Oft verlangt es Generationen, um den eingebrannten Text zu finden, zu entziffern und nie können wir sicher sein, ob wir ihn verstanden haben. Im innigen Bewahren der Familiengeheimnisse vervollkommnen sich Zugehörigkeiten bis in den Tod. Verinnert
Seit ca. einem Jahr arbeite ich an dieser Serie zum Umgang mit Geschichte in Erinnerungsgemeinschaften. Auf unscheinbaren Notizblättern sammle ich Fragmente aus historisch belegtem Wissen, erzählten Erzählungen, Abdrucke und Spuren auf Alltäglichem, die sich ins Bewusstsein und in den Körper einschreiben. Kontingente Grundlagen, die sich durchkreuzen, gegenseitig auslöschen und neuformieren, um sich, den normativen Anforderungen der Erinnerungsgemeinschaften entsprechend, in Geschichten zu verfestigen. Geschichtetes, kollektiv verfertigt, das sich nur aneignen lässt nach Maßgabe dessen, was die schmerzlichen Lücken füllt und in Täter – Opfer – Verkehrung die moralische Integrität derer sichert, die entkommen sind, „wie durch ein Wunder“ meist. Wunder, die wund machen, trägt man erst die Schichten ab.
blicksicher.kein boden unter den füßen
blicksicher. kein boden unter den füßen ein interaktive Kunstintervention von Barbara Huber und Christian Streng am Medientag 2009 zum Thema „Visuelle Kompetenz“ als Ausgangspunkt eines Partizipationsprojektes „Was nicht festgehalten wird ist nicht, was festgehalten wird ist tot.“ (Paul Valery) In diesem Spannungsfeld bewegt sich nicht zuletzt das Verhältnis zu unserem eigenen Abbild. Identitätssichernd suchen wir nach diesem als Gegenüber. Bilder zeigen nicht nur, sie zeugen und erzeugen. In ihrer Indexikalität scheinen sie zu beweisen, was existiert (hat) und in dieser Augenblicklichkeit nie mehr existieren wird. Gleichzeitig bedeutet jedes Abbild auch optische Vereinnahmung, Bemächtigung. Indem ein einziger Augen-Blick, den ich selber nie sehen oder erfahren kann, festgehalten und damit entzeitlicht wird, erzeugt das Bild eine Manifestation magischer Präsenz, es macht sichtbar und verweist gleichzeitig auf Verborgenes, Verdecktes. Es ist Spur und Abdruck realer Existenz und gleichzeitig unzugänglicher, magisch versiegelter Raum. Abgebildet zu werden gehört zu unseren alltäglichen Erfahrungen. Unter dem Deckmantel der Sicherheit haben wir das Recht auf unser Abbild längst preisgegeben, was mit den Bildern passiert entzieht sich unserem Wissen / Zugriff. Am Medientag 2009 werden alle TeilnehmerInnen gebeten, am Eingang ihr Abbild „abzugeben“: Barbara Huber und Christian Streng ersuchen die BesucherInnen, sich mit geschlossenen Augen mittels Instantfotografie portraitieren zu lassen. Auf diesem analogen Medium festgehalten, hat das Abbild jedes/r Teilnehmers/in eine direkte Beziehung zu dem Menschen, den es bezeichnet. Im Rahmen der Aktion „blicksicher. kein boden unter den füßen“ wird jedes dieser Portraits zum Ausgangspunkt eines neuen Bildwerdungsprozesses. Die Abbilder der TeilnehmerInnen werden von den Künstlern signiert, verpackt und mit der Aufforderung zur Partizipation an eine/n andere/n TeilnehmerIn weitergegeben. Alle Beteiligten erhalten somit das Abbild eines anderen und dürfen über dieses verfügen. Sie werden gebeten, das jeweilige Portrait erst nach Abschluss der Tagung auszupacken und den Verbleib des Bildes – ob in einen Rahmen gesteckt, weggeworfen, zerstört oder überarbeitet, zum Andachtsbild verklärt oder als Zielscheibe verwendet – mittels Digitalfotografie zu dokumentieren. Alle Beteiligten werden so zu MitautorInnen und die so entstandenen neuen Bildproduktionen zum eigentlichen Produkt dieses Partizipationsprojektes.
art.migration – ein kunstprojekt von jänner bis dezember 2000 art.migration – transportiert kunstwerke an unvorhersehbare orte und überlässt diese den finderInnen art.migration – agiert außerhalb des wirtschaftssystems art.migration – ignoriert nationale und ökonomische grenzen art.migration – zielt nicht auf gewinn, besitz oder verwertbarkeit art.migration – ironie und ortlosigkeit art.migration – transportiert werke von franz wassermann, daniela span, hellmut bruch, peter matthias pflug, christine susanna prantauer, thomas feuerstein, herbert soltys, klaus baumgartner art.migration – © 2000 barbara huber / christian streng
neorolinguistische programmierung
acrylglaskästen, leinen, getragene aufsteckkrägen, texte aus den wirtschaftsteilen von tageszeitungen, und managertrainingsprogrammen GNADENLOS APPETITLICH SOLIDARITÄT NUR PROFITMOTIVIERT ENTMÜNDIGUNG EINÜBEN BEVOR ERMÄCHTIGUNG GELERNT WERDEN KANN DURCH SELBSTDESTRUKTIVES AGIEREN DIE MITWELT OHNMÄCHTIG HALTEN TAKTVOLL BIS ZUM VERRAT MIT DEN GEHEIMNISSEN DER ANDEREN DIE EIGENE LEERE FÜLLEN ABHÄNGIGKEITEN SICHERN DIE MACHT ENDLICH FREUNDE VON NUTZEN SIMULIERTE AUTONOMIE WO DIESE AM MASSIVSTEN BESCHNITTEN WIRD 2008
eine strategie ästhetischen widerstands gegen bildungsabbau, insbesondere gegen das wirtschaftliche aushungern der geisteswissenschaftlichen fächer an der universität innsbruck. unter dem roten teppich liegen studentInnen, der zutritt ist nur auf deren rücken möglich. gemeinsam mit christian streng und studierenden
auf der dem spiegel abgewandten seite
videoinstallation in einem abstellraum des laufenden kraftwerks imst
…das erbarmungslose Schlagen eines geschwungenen Seils gibt den Rhythmus vor, in dem sich eine erwachsene Frau entschlossen springend bewegt – sie springt, springt, springt bis zur Erschöpfung, zum Zusammenbruch. Das Seil dreht sich weiter. Ein Ausstieg gelingt bestenfalls in das nächst größere Seil, wer nicht mehr springt, bleibt am Boden liegend zurück, die beiden Drehenden eröffnen das nächste Spiel… Auf der Basis dieses – vordergründig harmlosen, jedem vertrauten – Kinderspiels thematisiert das Video "metastase einer grundformel" das Funktionieren unserer Präsenz-sichernden Systeme. In einer Wirklichkeit, in der sich gesellschaftliche Teilhabe und Zugehörigkeit bzw. Sichtbarkeit ausschließlich über wirtschaftliche Verwertbarkeit und monetäre Integrität definieren, scheint potentiell alles reversibel und auf nichts zu verweisen außer auf sich selbst in diesem Augenblick.
…das erbarmungslose Schlagen eines geschwungenen Seils gibt den Rhythmus vor, in dem sich eine erwachsene Frau entschlossen springend bewegt – sie springt, springt, springt bis zur Erschöpfung, zum Zusammenbruch. Das Seil dreht sich weiter. Ein Ausstieg gelingt bestenfalls in das nächst größere Seil, wer nicht mehr springt, bleibt am Boden liegend zurück, die beiden Drehenden eröffnen das nächste Spiel… Auf der Basis dieses – vordergründig harmlosen, jedem vertrauten – Kinderspiels thematisiert das Video "metastase einer grundformel" das Funktionieren unserer Präsenz-sichernden Systeme. In einer Wirklichkeit, in der sich gesellschaftliche Teilhabe und Zugehörigkeit bzw. Sichtbarkeit ausschließlich über wirtschaftliche Verwertbarkeit und monetäre Integrität definieren, scheint potentiell alles reversibel und auf nichts zu verweisen außer auf sich selbst in diesem Augenblick.
verlorener übergang.charon desertierte
verlorener übergang. charon desertierte charon mittler in einer welt der zwischenräume nicht verortung der grenze sondern heterotopie temporärer dritter raum differenzen ohne vereinheitlichung zum oszillieren gebracht die gewässer auf denen er sich bewegt keine schroffen grenzlinien zwischen diesseits und jenseits räume des übergangs des dazwischen das andere, das zwei teile der selben welt in beziehung setzt ‚kontinua der verwandlung’ (w.benjamin) charon desertierte. normierte gegenwart in rasendem stillstand sedimentiertes leben nur die meere fließen weiter unten
mit beton gefüllte wärmflaschen, seelenkörpern gleich. ersatzobjekte. nur mehr ihrer äußeren erscheinung nach mit wärme, zuwendung oder trost zu verbinden. mit ihnen: sorgsam geschlichtete "körperhüllen", seelenwesen, abwesend in ihrer anwesenheit, ungelebte/ abgelegte leben, zwischenzustände,wie sprachreste, traumspuren, haften geblieben an wirklichkeiten
horizont - begriff und leerstelle, berührung oder verhältnis, ein fehlen oder die widerspiegelung der eigenen augenhöhe...